Der Krieg

 

Nicht selten begegnet man der Auffassung, Kriege seien unabänderliche Schicksalsfügungen, Mittel im göttlichen Weltenplan. Wir haben nicht das Recht, unsere menschlichen Verfehlungen einer höheren Gewalt zuzuordnen.

Im Gemälde DER KRIEG steht der Engel der Apokalypse als zentrale Bildgestalt, abgehoben von den übrigen Bildinhalten, die ihn umgeben. Mit seinem völlig nach innen gewandten Antlitz einem über das natürliche Leben erhöhten Marmorbildnis gleichend, steht er entrückt über dem Bildgeschehen. In seiner unangreifbaren Verinnerlichung weist er darauf hin, daß auch die Kriegskatastrophen fast kosmischen Ausmaßes die Menschen nicht aus ihrer Verblendung und ihrem Vernichtungswahn reißen.

Die endzeitlichen Visionen der geheimen Offenbarung lassen ahnen, daß die hier vorgetragenen Mahnungen vor den Greueltaten der Menschen auch in unserer Zeit nicht nachdrücklich genug ausgesprochen werden können.

In den symbolhaften Gestalten stehen als Zeichen für das Grauen und den Schrecken des Krieges das wilde Pferd, für die Gewalt und Brutalität des Krieges der Büffel, für die Folgen allen Hasses und aller Menschenverführung der Totenschädel, Bild des Todes.

In den vier Köpfen vor blutrotem Grund sind die großen Verführer gebrandmarkt, die bekannten und die unbekannten.

Im inneren Kreis der Köpfe ist die Schar derer aufgezeigt, die in Haß, Verblendung und Eigennutz zu den Werkzeugen der Mächtigen werden und damit selber zu Kriegshetzern. Schuldig werden auch jene, die ihre Augen verschließen vor den gefahrvollen Zeichen der Zeit.

Im äußeren Kreis ist das große Erwachen dargestellt. Allmählich bahnt sich das Entsetzen über die furchtbaren Konsequenzen der Untaten seine Bahn und wird deutlich in den Gesichtern. Visionen des Schreckens werfen ihre Schlaglichter auf Gerechte und Ungerechte, das Verhängnis lähmt auch jene, die das Ausmaß der Verwüstungen erst ahnen, die sich ankündigen.

Das obere Bildfeld ist zum Gedenken an die unzähligen Leiden der Kriege aufgebaut. Aus allen Völkern stehen hier stellvertretend für alle Kriege die Kinder, die Frauen, die Männer, die ertränkt werden von den unzähligen Heimsuchungen, von Furcht, Angst, Schmerz, von Hoffnungslosigkeit, Verbitterung und Verzweiflung.

Die untere Bildfläche ist überfüllt von den Opfern, von Opfern, die bis in die unendliche, zahlenlose Menge anwachsen.

In dominierender Größe und Form, in der gesteigerten Intensität der Farben steht am unteren Bildrand noch einmal das entsetzte Bild der geschändeten Kreatur, - Mahnmal gegen den Krieg.

Werner Jakob Korsmeier 1980/2003

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